“Schulentwicklung bedeutet für mich primär, Bedingungen zu schaffen, damit alle lernen können.”
Michael Kubli
In der neusten Folge des Podcasts «Bildungsreise» bleibt Damian in Zürich und trifft Michael Kubli, ehemaligen Lehrer und Schulleiter sowie Co-Geschäftsführer von proEdu. Die beiden gehen den Fragen nach, was gute Schulentwicklung ausmacht, warum Veränderungen im Schulalltag oft anspruchsvoll sind und wie Schulen herausfinden, was in der Praxis tatsächlich wirkt.
Für Michael ist Schulentwicklung vor allem eines: gemeinsames Lernen. Nicht nur Kinder und Jugendliche sollen sich weiterentwickeln, sondern auch Lehrpersonen, Schulleitungen und die Schule als lernende Organisation. Doch zwischen Unterricht, organisatorischen Aufgaben und begrenzten Ressourcen bleibt für die Schul- und Unterrichtsentwicklung oft wenig Zeit. Umso wichtiger ist es, bewusst Freiräume zu schaffen, Prioritäten zu setzen und sich immer wieder zu fragen, weshalb man etwas so macht, wie man es macht.
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Spannung zwischen Bewahren und Verändern. Michael erklärt das Prinzip der «Ambidextrie» anhand zweier Bilder: Gärtnerinnen und Gärtner kümmern sich um das Bewährte, während Entdeckerinnen und Entdecker Neuland erkunden. Ein Schulteam braucht beide Rollen. Gleichzeitig sollten Schulen neben persönlichen Erfahrungen auch wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen und voneinander lernen.
Wie das konkret aussehen kann, bespricht Damian mit Michael anhand von drei Themen aus früheren Podcastfolgen: Hausaufgaben, Rassismus sowie Begabungs- und Begabtenförderung. Dabei zeigt sich, wie wichtig gemeinsame Werte, Haltungen und eine gelebte Schulkultur sind, aber auch, wie schwierig es sein kann, diese im Schulalltag umzusetzen. Ein Leitbild allein reicht dafür nicht aus. Entscheidend ist, dass sich das ganze Schulteam mit diesen Werten auseinandersetzt und sie laufend zur Diskussion stellt. In diesem Zusammenhang betont Michael, dass Kinder und Jugendliche bei der Schulentwicklung viel stärker einbezogen werden sollten. Denn sie wissen oft selbst sehr gut, was sie brauchen, und können wertvolle Impulse geben. Durch ihre Partizipation können sie zudem demokratische Prozesse unmittelbar erleben.
Im letzten Teil geht es darum, wie Schulen Entwicklungsprozesse anstossen und begleiten können. Wie planbar ist Schulentwicklung? Welche Verantwortung tragen Schulleitungen und Lehrpersonen? Und wie können Schulen ihre Gestaltungsspielräume nutzen? Michael ermutigt dazu, nicht immer auf die perfekte Lösung zu warten, sondern Neues auszuprobieren und aus Erfolgen und Fehlern zu lernen. Ebenso zentral sind eine verständliche Kommunikation, damit alle Beteiligten verstehen, warum Veränderungen angestrebt werden, sowie die Überprüfung, ob diese etwas bewirken.
Eine anregende Folge darüber, weshalb gute Schulentwicklung Geduld, Mut und Offenheit braucht – und wie es gelingt, Bestehendes zu hinterfragen, Bewährtes zu bewahren und gemeinsam neue Wege zu gehen. Eine Reise für alle, die Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten.
Michael Kubli
Ehemaliger Lehrer und Schulleiter sowie Co-Geschäftsführer von proEdu