N°28 – Begabungs- und Begabtenförderung
“Begabungen und Stärken haben alle – und darum sollten auch alle Lernenden die Chance haben, diese zu entwickeln.”
Anuschka Meier-Wyder
In dieser Folge des Podcasts «Bildungsreise» spricht Damian mit Anuschka Meier-Wyder, Dozentin an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) in Zürich und Expertin für Begabungs- und Begabtenförderung (BBF). Gemeinsam diskutieren sie, wie Schulen die Stärken und Potenziale von Kindern erkennen und gezielt fördern können – und warum dieses Thema immer noch zu wenig konsequent umgesetzt wird.
Im ersten Teil macht Anuschka deutlich: Begabungsförderung betrifft alle Kinder, denn jedes Kind bringt Fähigkeiten und Potenziale mit. Begabtenförderung richtet sich an jene mit besonders ausgeprägten Stärken, die zusätzliche kognitive Anregung brauchen. Beide Ansätze sind Teil des Bildungsauftrags und eng mit einer inklusiven, kompetenzorientierten Schule verbunden.
Im Gespräch wird klar: Entscheidend ist ein Verständnis von Begabung als Potenzial – nicht als sichtbare Leistung. Damit sich dieses entfalten kann, braucht es gezielte Lernangebote sowie Lehr- und Fachpersonen, etwa schulische Heilpädagog:innen, die genau hinschauen. Gleichzeitig zeigt sich im Schulalltag ein Spannungsfeld: Themen wie Verhalten oder Lernschwierigkeiten stehen oft im Vordergrund, während leistungsstarke Kinder als «selbstlaufend» gelten – ein Trugschluss.
Im Zentrum stehen die Ergebnisse einer schweizweiten Erhebung zur Begabungs- und Begabtenförderung. Sie zeigen: An vielen Schulen ist das Thema noch nicht systematisch verankert. Es fehlt an Wissen, geeigneten Instrumenten und klaren Konzepten zur Identifikation und Förderung. Begabung wird häufig über Noten oder Abklärungen definiert, wodurch viele Kinder unentdeckt bleiben. Gleichzeitig werden Weiterbildungen wenig genutzt, Zuständigkeiten sind oft unklar, und Förderung wird an Einzelpersonen delegiert, statt als gemeinsame Aufgabe verstanden. Auch erhalten leistungsstarke Kinder seltener individuelle Förderziele, obwohl sie ebenso darauf angewiesen sind.
Im letzten Teil der Folge geht es um konkrete Möglichkeiten der Begabungs- und Begabtenförderung – von differenzierten Lernangeboten im Unterricht über Pull-out-Programme bis hin zu Massnahmen wie Enrichment, Compacting oder Akzeleration. Deutlich wird: Es gibt engagierte Ansätze, doch in der Breite fehlt es an Verbindlichkeit und an einer nachhaltigen Verankerung.
Eine Folge über verborgene Stärken und Potenziale, die entdeckt werden wollen – und darüber, wie Förderung gelingen kann. Eine (Entdeckungs-)Reise für alle, die Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten.
Anuschka Meier-Wyder
Dozentin an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) in Zürich und Expertin für Begabungs- und Begabtenförderung (BBF)