N°33 – Gehirngerecht lernen
“Das Gehirn verändert sich ein Leben lang. Wir haben jederzeit Einfluss darauf, wie es sich entwickelt – durch das, was wir lernen, erleben und tun.”
Barbara Studer
In der 33. Folge des Podcasts «Bildungsreise» reist Damian nach Bern und trifft Barbara Studer. Die Neurowissenschaftlerin und Lehrbeauftragte an der Universität Bern ist Mitgründerin und CEO von Hirncoach und Autorin des Buches «Hirnpower». Gemeinsam gehen sie den Fragen nach, wie sich das Gehirn von Kindern und Jugendlichen entwickelt, welche Lernstrategien tatsächlich funktionieren und was es braucht, damit Lernen gut gelingen kann.
Unser Gehirn ist kein fertiges Organ, sondern verändert sich dank seiner Neuroplastizität ein Leben lang und passt sich an das an, was wir lernen, erleben und tun. Besonders viel passiert in der Kindheit und Jugend. In der Pubertät gleicht das Gehirn einer Grossbaustelle: Während Belohnungs- und Emotionssysteme bereits sehr aktiv sind, entwickeln sich jene Bereiche, die für Selbstregulation, Impulskontrolle und vorausschauendes Planen zuständig sind, noch weiter. Jugendliche brauchen deshalb Freiräume und Möglichkeiten, eigene Erfahrungen zu sammeln, gleichzeitig aber auch Orientierung, verlässliche Leitplanken und tragfähige Beziehungen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist die Frage, wie Stress und Leistungsdruck das Lernen beeinflussen. Kurzfristiger Stress kann aktivieren, anhaltender oder zu starker Stress hingegen das konzentrierte Denken und Lernen erschweren. Umso wichtiger sind Erholung, Schlaf und das Gefühl, Herausforderungen bewältigen zu können. Barbara erklärt, weshalb Selbstwirksamkeit eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen ist und warum Erwachsene Kinder darin bestärken sollten, Schwierigkeiten Schritt für Schritt zu meistern.
Im Gespräch nehmen Barbara und Damian auch bekannte Lernmythen unter die Lupe: Kann man im Schlaf lernen? Helfen Bewegung, Handschrift oder Musik? Und ist Auswendiglernen in Zeiten von KI noch sinnvoll? Dabei zeigt sich, dass erfolgreiches Lernen vor allem aktives Lernen bedeutet. Statt Inhalte immer wieder nur durchzulesen, hilft es, Wissen aktiv aus dem Gedächtnis abzurufen, sich selbst zu testen, Zusammenhänge herzustellen und unterschiedliche Sinne einzubeziehen. Auch Schlaf spielt eine wichtige Rolle: Neue Inhalte lassen sich zwar nicht einfach im Schlaf lernen, Gelerntes wird während des Schlafens jedoch gefestigt.
Zum Schluss richtet sich der Blick auf die Bedingungen, die unser Gehirn für gutes Lernen braucht. Neben Schlaf, Erholung und Bewegung spielen Neugier, Sinnhaftigkeit und positive Emotionen eine wichtige Rolle beim Lernen. Auch der Umgang mit Smartphones und Social Media wird thematisiert. Barbara plädiert insbesondere bei Kindern und Jugendlichen für einen bewussten und klar begrenzten Umgang mit digitalen Medien und dafür, sie bei der Selbstregulation nicht allein zu lassen.
Ein zentrales Thema zieht sich dabei durch die gesamte Folge: Beziehungen. Kinder und Jugendliche brauchen Menschen, bei denen sie sich sicher, gesehen und ernst genommen fühlen. Tragfähige Beziehungen unterstützen die Stressregulation und schaffen eine wichtige Grundlage für Lernen und Entwicklung.
Eine lehrreiche Folge darüber, wie Lernen gelingt und was unser Gehirn dafür braucht. Eine Reise für alle, die Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten.
Barbara Studer
Neurowissenschaftlerin, Lehrbeauftragte an der Universität Bern, Mitgründerin und CEO von Hirncoach sowie Autorin