N°32 – Politische und demokratische Bildung

 

«Demokratien fallen nicht vom Himmel. Sie müssen von jeder Generation neu gelernt, ausgehandelt und gelebt werden.»

Rolf Gollob

 
 

‍In dieser Folge des Podcasts «Bildungsreise» spricht Damian mit Monika Waldis und Rolf Gollob über politische und demokratische Bildung. Monika Waldis leitet das Zentrum Politische Bildung und Geschichtsdidaktik der PH FHNW am Zentrum für Demokratie Aarau. Rolf Gollob beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Demokratie- und Menschenrechtsbildung, engagiert sich als Experte für den Europarat und ist Mitglied der Schweizerischen UNESCO-Kommission. Gemeinsam gehen sie den Fragen nach, weshalb Demokratie gelernt werden muss, welche Rolle die Schule dabei spielt und wie Kinder und Jugendliche Demokratie im Schulalltag tatsächlich erleben können.

Ausgangspunkt sind Entwicklungen, die nachdenklich stimmen: Demokratische Werte geraten weltweit unter Druck. Monika zeigt auf, wie Polarisierung, Desinformation, autoritäre Tendenzen und schwindendes Vertrauen in Institutionen demokratische Gesellschaften herausfordern. Rolf betont dabei: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie muss von jeder Generation neu gelernt, ausgehandelt und gelebt werden. Auch soziale Medien, künstliche Intelligenz und Algorithmen stellen die politische und demokratische Bildung vor neue Herausforderungen.

Im Gespräch wird deutlich, dass politische Bildung weit mehr ist als Staatskunde. Rolf beschreibt Demokratie als Herrschafts-, Gesellschafts- und Lebensform. Kinder und Jugendliche brauchen deshalb nicht nur politisches Wissen, sondern auch demokratische Kompetenzen: kritisch denken, argumentieren, unterschiedliche Perspektiven aushalten, Kompromisse finden und Verantwortung übernehmen. Orientierung bietet der Referenzrahmen für Demokratiekompetenzen des Europarats, das sogenannte «Schmetterlingsmodell». Er verbindet vier Bereiche: Werte, Einstellungen, Fähigkeiten sowie Wissen und kritisches Denken.

Eine zentrale Rolle spielt die Schule als Lern- und Lebensort. Monika macht deutlich, dass Demokratiebildung nicht allein Aufgabe einzelner Fächer ist, sondern sich in der gesamten Schul- und Unterrichtskultur zeigt. Entscheidend ist, ob Schülerinnen und Schüler erleben, dass ihre Meinung zählt, sie fair behandelt werden, Konflikte gemeinsam ausgehandelt werden und sie tatsächlich mitgestalten können. Schule bereitet damit nicht nur auf das Leben in einer Demokratie vor – sie ist selbst ein Ort, an dem Demokratie gelebt werden kann.

Eine besondere Verantwortung tragen die Lehrpersonen. Orientierung bietet der Beutelsbacher Konsens: Kontroverse Themen sollen auch kontrovers behandelt werden, Schülerinnen und Schüler dürfen nicht von der Meinung der Lehrperson überwältigt werden und sollen sich ein eigenes Urteil bilden können. Monika und Rolf zeigen zugleich auf, dass parteipolitische Neutralität nicht Wertneutralität bedeutet. Demokratische Grundwerte und Menschenrechte bilden den gemeinsamen Rahmen.

Im letzten Teil wird es praktisch: Klassenrat, Kinder- und Schülerparlament, Schulversammlungen und gemeinsam ausgehandelte Regeln können Demokratie unmittelbar erfahrbar machen. Klar wird, dass Partizipation und Mitbestimmung dabei echt sein müssen. Wenn Kinder diskutieren und abstimmen dürfen, die Lehrpersonen am Ende aber ohnehin entscheiden, entsteht Scheinpartizipation. Demokratiebildung bedeutet deshalb auch, Verantwortung abzugeben und Kindern zuzutrauen, Entscheidungen tatsächlich mitzugestalten.

Eine bedeutsame Folge darüber, wie Demokratie in der Schule gelebt werden kann und warum sie dort beginnt, wo Kinder mitreden, mitentscheiden und Verantwortung übernehmen. Eine Reise für alle, die Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten.

 
 

Monika Waldis

Leiterin des Zentrums Politische Bildung und Geschichtsdidaktik der PH FHNW am Zentrum für Demokratie Aarau

Rolf Gollob

Schweizer Koordinator für Demokratie- und Menschenrechtsbildung des Europarates und Mitglied der Schweizerischen UNESCO-Kommission

 

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