N°31 – Schulabsentismus

 

“Schulabsentismus beginnt nicht mit dem Fernbleiben. Das Fernbleiben ist meist nur das sichtbare Symptom. Entscheidend ist, die Ursachen dahinter zu verstehen.”

Stephan Kälin

 
 

In der neusten Folge des Podcasts «Bildungsreise» spricht Damian mit Stephan Kälin. Der Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologie FSP beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schulabsentismus. Gemeinsam gehen sie den Fragen nach, weshalb immer mehr Kinder und Jugendliche der Schule fernbleiben, welche Ursachen dahinterstecken, wie sich erste Warnsignale erkennen lassen und weshalb Schule, Eltern und Fachpersonen das Problem nur gemeinsam lösen können.

Im Gespräch wird deutlich, dass Schulabsentismus weit mehr ist als Schulschwänzen. Hinter dem Fernbleiben stehen häufig Ängste, psychische Belastungen, Mobbing, familiäre Herausforderungen oder eine fehlende Passung zwischen Kind und Schule. Wer nur auf die Absenz schaut, übersieht oft die eigentlichen Ursachen. Stephan Kälin plädiert deshalb dafür, von schulvermeidendem Verhalten zu sprechen und genau hinzuschauen, statt vorschnell auf fehlende Motivation oder Faulheit zu schliessen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge sind die vier Formen von Schulabsentismus: Schulphobie, Schulangst, Schulverweigerung und das Fernhalten durch die Eltern. Obwohl sie sich nach aussen ähnlich zeigen können, unterscheiden sie sich grundlegend in ihren Ursachen und benötigen unterschiedliche Formen der Unterstützung.

Besonders hilfreich ist die 3-6-Regel: Hat ein Kind innerhalb von sechs Schulwochen drei nicht zusammenhängende Absenzen, sollte die Situation unbedingt genauer abgeklärt werden – unabhängig davon, ob die Absenzen entschuldigt sind oder nicht. Schulabsentismus entsteht meist schleichend. Bauch- oder Kopfschmerzen, Schlafprobleme, häufige Fehlzeiten oder zunehmende Widerstände vor dem Schulbesuch können frühe Warnsignale sein. Je früher gehandelt wird, desto grösser ist die Chance, eine Chronifizierung zu verhindern.

Ein zentrales Thema der Folge ist die psychologische Sicherheit. Kinder brauchen tragfähige Beziehungen, das Gefühl dazuzugehören und eine Schule, in der sie sich sicher fühlen. Gute Beziehungen zu Lehrpersonen, ein positives Klassenklima sowie Anerkennung und Selbstwirksamkeit gehören zu den wichtigsten Schutzfaktoren gegen Schulabsentismus.

Immer wieder betont Stephan Kälin, dass Schulabsentismus ein Problem ist, das niemand alleine lösen kann. Erfolgreiche Prävention und Intervention gelingen nur, wenn Eltern, Schule, Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und weitere Fachpersonen eng zusammenarbeiten. Entscheidend ist, früh zu handeln: Statt auf eine Besserung zu hoffen, gilt es, die Ursachen sorgfältig zu klären und die Rückkehr in den Schulalltag gezielt zu begleiten. Denn je länger ein Kind der Schule fernbleibt, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg.

Eine differenzierte Folge darüber, warum Kinder der Schule fernbleiben, weshalb frühes Erkennen entscheidend ist und wie gemeinsames Handeln den Weg zurück in den Schulalltag erleichtert. Eine Reise für alle, die Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten.

 
 

Stephan Kälin

Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologie FSP und Supervisor/Coach BSO

 

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